BDSM - Kunst der Fesselung

Wenn man den diversen Statistiken glaubt, dann hat fast jede zweite Frau den Roman “Fifty Shades of Grey” gelesen oder den Film gesehen. Danach sollen im Erotikversand die Liebeskugeln, Bondage Tapes und andere SM-Spielzeuge kurzfristig ausverkauft gewesen sein oder zumindest die Verkaufsquoten enorm in die Höhe gegangen.

Was war los? Sind plötzlich viele Frauen mit vorher ” ganz normalem Sexualleben” devot geworden, als sie lasen oder sahen, was Christian Grey mit Anastasie Steele trieb und wie die Frau es letztlich zu genießen schien? Für manche ist die Story kitschig und flach, andere sind begeistert. Aber wie “Shades of Grey” auch ankommt: Es trifft einen Nerv, lässt gerade bei uns Frauen sexuelle Fantasien entstehen, sexuelle Wünsche wach werden, die im tiefsten Inneren vorhanden sind, die sich die meisten von uns aber nicht eingestehen und für die viele Geschlechtsgenossinnen einfach auch nicht den richtigen Partner haben.

Woher kommt aber die uneingestandene Sehnsucht nach dem dominanten Mann, dem “echten Kerl”, der uns zeigt wo es langgeht, zumindest beim Sex? Möglicherweise ist es eine Folge der Emanzipation der Frau. Wir sind heute selbstbewusst und eigenständig im Job genauso wie im Privatleben und der Partnerschaft. Wir wollen gerne den Ton angeben und in jeder Situation die Kontrolle haben. Und doch ist da auch noch eine kleine anarchische Ader in vielen von uns. Sich dominieren und bezwingen zu lassen, ausgeliefert einer Kraft, die stärker ist als unserer Wille, das wäre schon auch mal ganz schön. Die Frauen der Urmenschen wurden vom Urmenschenmann an den Haaren in die Höhle und aufs Lager geschleppt. Wäre vielleicht auch ganz nett, wenn unser weichgespülter Softie, mit dem Hang sich an seine starke Frau anzulehnen, das auch einmal täte.

Devote Frauen wollen in der Regel nicht geschlagen oder gequält, nicht wie ein Gegenstand nur gebraucht werden. Aber sie wollen auch keinen Mann, der es ihnen immer nur recht machen möchte, ständig in Angst, ob ihm das auch gelingt. Vielmehr wünschen sich nicht wenige Frauen, dass der Partner sie auch einmal “in der Hand hat” sie beeinflussen und Dinge aus ihr herauskitzeln kann, die sie eigentlich nicht bereit ist zu tun. Es kann eine Menge Lust bereiten, jemanden zu verfallen, sich ihm auszuliefern und so mit dem Feuer zu spielen. Oft erreichen devote Frauen auch erst durch einen dominanten Partner und durch das Spiel von Macht und Ohnmacht sexuelle Höhepunkte, lernen über den “Blümchensex” hinaus auch sexuelle Praktiken kennen und lieben, die sie früher abgelehnt und niemals ausprobiert hätten. Dank also “Fifty Shades of Grey”, es hat uns unsere devote Ader ein wenig schmackhaft gemacht.